OBSTBAUMALLEEN + STREUOBSTWIESEN

Die Obstbaumalleen und Streuobstwiesen in der Gemeinde Vissum

Seit der Gründung des Vereins wurden mehr als 300 Obstbäume von Mitglieder*innen und deren Helfer*innen gepflanzt. So enstanden mehrere Alleen und einige Streuobstwiesen, welche nun einen besonderen Lebensraum für viele verschiedene Arten bietet. IMG 0539

Im Jahr 2016 hat der Naturerbeverein erstmal eigenen Apfelsaft von den gepflanzten Bäumen gepresst. Dieser steht bei uns zu Verkauf und geht direkt in die Finanzierung weiterer Projekte. Mehr zum Apfelpressen steht im dazugehörigen Artikel bei den News!

Genaueres über Streuobstwiesen und Obstalleen erfahrt ihr in den folgenden Texten.

Lebensraum Streuobstwiese

„Streuobstwiesen sind einzeln, in Gruppen oder Reihen gepflanzte Obst-Hochstämme unterschiedlichen Alters in der Feldflur auf in der Regel mittleren Grünlandstandorten, die nicht nach Spritz-, Schnitt- oder Düngeplänen intensiv gepflegt werden.

Das Grünland wird kleinflächig wechselnd extensiv als Mähwiese (Mahd 2x im Jahr) oder Weide genutzt. Streuobstbestände liegen meist am Ortsrand. Ihr Ertrag schwankt häufig von Jahr zu Jahr.“¹

„Streuobstwiesen bilden einen wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Dieser Artenreichtum ist bedingt durch die Kombination von extensiv genutztem Grünland und offenen Gehölzstrukturen. Sowohl Offenlandbewohner als auch eher waldliebende Arten mit unterschiedlichen Feuchtigkeits- und Temperaturansprüchen treffen hier aufeinander und nutzen das abwechslungsreiche Mosaik an Lebensräumen.

Mit dem Alter nimmt die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen weiter zu. Neuanlagen erreichen erst nach mehreren Jahrzehnten den ökologischen Wert alter Bestände.

Laut Schätzungen liegt das Arteninventar von heimischen Streuobstwiesen bei über 3.000 Tierarten. Diese leben entweder im Boden, im Unterwuchs, an den häufig von Flechten und Moosen überzogenen Stämmen oder im Kronenraum der Obstbäume. Aufmerksame Besucher können auf Streuobstwiesen beispielsweise die Haselmaus, zahlreiche Schmetterlingsarten oder den Gartenrotschwanz beobachten.

Viele dieser Arten stehen auf der Roten Liste und werden als gefährdet eingestuft. Von besonderer Bedeutung sind die Höhlen älterer Bäume, denn diese kommen etlichen Vogelarten wie dem Wendehals und dem Steinkauz oder Säugetieren wie dem Garten- bzw. Siebenschläfer und diversen Fledermausarten zu Gute.

Der Artenreichtum einer Streuobstwiese ist auch an der Zusammensetzung des Unterwuchses erkennbar. Hier blühen Veilchen, Schlüsselblumen, Margeriten, Witwenblumen, Wiesensalbei, verschiedene Kleearten und vieles mehr. Für Bienen und zahlreiche andere Insekten sind Obstwiesen daher nicht nur zur Blütezeit der Obstbäume attraktiv, sondern auch wegen der reichen Ausstattung an blühenden Kräutern.“²

Geschichte Obstbaumalleen

„In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden Alleen zu bestimmenden Elementen der Landschaftsgestaltung. Neben der Verkehrssicherheit für Kutschen und Reiter wurden sie auch zu militärischen Zwecken angelegt, als Windschutz, zur Befestigung von Dämmen, zum Schutz der Fahrbahnen, aus landschaftsästhetischen Gründen sowie zur Versorgung der Bevölkerung mit Äpfeln, Birnen und Kirschen.

Die Anfänge

Die Karriere von Bäumen als Bepflanzungen von Straßen und Plätzen beginnt schon in der griechischen und römischen Antike. Als eine der ersten Alleen der Neuzeit gilt die der Villa Quaracchi bei Florenz von 1459. Höhepunkt der Alleen als repräsentatives Gestaltungselement war Frankreich. Aus dem Französischen stammt auch der Begriff Allee (Allée = Gang, von „aller“ = gehen), seit dem Barock-Zeitalter wird es im deutschen Sprachgebrauch für parallel gepflanzte Baumreihen gebraucht.

[…]

Dienten Alleen zunächst als optische Verbindung zwischen Reisezielen und als Gliederung der weiträumigen Landschaften, wurde bald erkannt, dass sich das Ästhetische mit dem Nützlichen verbinden ließ – Obstbaumalleen waren schön und trugen gleichzeitig zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit Obst bei.

Weitere Gründe für Alleenpflanzungen waren:

Militär: Feldherren wie Napoleon ließen Alleen anlegen, um dem marschierenden Heer bessere Bedingungen zu gewährleisten (Schutz vor Regen, Schnee, Sonne, Wind).

Auch allgemein war Beschattung, Schutz vor Schneeverwehungen und Wind und Sonne ein wichtiger Grund zur Alleenanlage.

Die Bäume markierten die oft unbefestigten Wege bei Schnee oder Dunkelheit.

Sie boten Feuerholz, Obst, Eicheln oder Kastanien.

[…]

Alleen nach dem Zweiten Weltkrieg – getrennte Entwicklung in West und Ost

Im Westen Deutschlands wurden die Alleen im Zuge des massiven Straßenausbaus der 50er/60er Jahre regelrecht ausgelöscht. Grund war die Umsetzung des Leitbildes der „autogerechten Stadt“ mit der Trennung der Funktionen Arbeiten, Wohnen, Versorgen und Freizeit. Die Entfernungen stiegen, das Auto wurde unentbehrlich und die Zunahme des Autoverkehrs produzierte neue Straßen und erforderte den Ausbau der alten. Dieser massive Straßenbau der vergangenen Jahrzehnte hat nicht nur eine Vielzahl natürlicher Lebensräume zerstört und zerschnitten – an rund 50.000 km Straßen fielen ihm auch die Straßenbäume zum Opfer.

In Ostdeutschland erfolgte bis zur Wende der Straßenaus- und Neubau in kaum nennenswerter Weise. Das geringe Verkehrsaufkommen und die niedrige Anzahl der PKW und LKW machten dies überflüssig. Daher sind heute in den Ost-Bundesländern noch viele Alleen und Kopfsteinpflasterstraßen vorhanden. Doch auch hier war nicht alles „eitel Sonnenschein“: die Bäume wurden in den vergangenen Jahrzehnten schlecht gepflegt, wenige wurden neu gepflanzt. In Kombination mit dem hohen Alter ergibt sich der schlechte Zustand der Alleebäume, der den Brandenburger Alleenschutz heute vor große Herausforderungen stellt.“³

Quellen:

¹ Naturpark Südeifel (http://streuobst.naturpark-suedeifel.de/)

² Naturpark Südeifel (http://streuobst.naturpark-suedeifel.de/bedeutung-der-streuobstwiesen)

³ BUND Brandenburg (http://www.bund-brandenburg.de/themen_projekte/alleen_und_baumschutz/alleen_geschichten/)